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Rita Brunetti über ihre Liebe zum Lehrberuf

Was macht eigentlich..?

Rita Brunetti

Etwa 150 Mitarbeitende des Lernstudios tragen mit ihrem Einsatz täglich dazu bei, dass Schülerinnen und Schüler ihr Lernpotential voll entfalten können. Rita Brunetti, seit 16 Jahren als Lehrerin im Kurs- und Nachhilfebereich tätig, ist eine von ihnen. Im Interview haben wir Rita Brunetti befragt, was sie an ihrem Beruf liebt und sich für ihre Lernenden wünscht.

Astrid Marquardt (AMa): Rita, du bist zwar schon lange beim Lernstudio. Aber erzähl mir kurz, was ist deine Aufgabe beim Lernstudio?

Rita Brunetti (RB): Beim Lernstudio gebe ich als Lehrerin Unterricht in den Gymi-Prüfungsvorbereitungskursen oder Ferienkursen, aber genauso gebe ich auch Unterricht in der individuellen Nachhilfe.

AMa: Und wie lange bist du schon beim Lernstudio?

RB: Seit Anfang März sind es genau 16 Jahre. Ich gehöre also schon fast zum Lernstudio-Inventar (lacht).

AMa: Wow! Gab es für dich überhaupt ein Leben vor dem Lernstudio?

RB: (lacht) Ja, natürlich, das gibt es. Nach dem Studium ging es eigentlich nur um ein Vikariat. Ich sollte kurz vor einem Kursbeginn als Vertretung für eine ausgefallene Lehrperson einspringen. Es hat mir aber so gut gefallen, dass ich geblieben bin. Andererseits geniesse ich es, dass ich so lange für ein Unternehmen arbeiten kann – das ist heutzutage wohl eher selten.

AMa: Und wie kamst du auf den Lehrberuf?

RB: Man sagt mir nach, ich sei selbst eine schwierige Schülerin gewesen – vielleicht verfolgt mich das nun? (lacht) Nein, ganz ehrlich, ich ging schon immer gern in die Schule, habe als Schülerin viele Fragen gestellt und meinen Klassenkameraden gerne geholfen. Diese Liebe zum Lernen, vor allem das Für-Sich-Lernen, die will ich vermitteln. Mir ist wichtig, dass Kinder mit ihrem Wissen das erreichen können, was sie sich wünschen.

AMa: Ich kann mir vorstellen, dass dir dafür oft nur sehr wenig Zeit zur Verfügung steht. Du verbringst ja mit den Kindern nur eine begrenzte Zeit. Wie schaffst du es trotzdem diese Werte zu vermitteln?

RB: Das stimmt. Oft kümmere ich mich im Unterricht zuerst um die grössten Baustellen. Viele Kinder schaffen es dann, mit diesen Lernerfolgen weitere Probleme ganz von alleine zu bewältigen. Wichtig ist, dass die Kinder grundsätzlich motiviert und offen sind. Wenn das fehlt, versuche ich zumindest, dass ich dem Kind aufzeigen kann, dass Neues zu lernen nie vergebens ist und, dass sie es sich selbst zu Liebe machen. Es lässt sich schon mit wenig Aufwand viel erreichen.

AMa: Von wieviel Aufwand spricht man da?

RB: Das ist natürlich ganz individuell. Manchmal reichen ein paar Lektionen Nachhilfe und die Erfolge sind beachtlich. Nehmen wir beispielsweise einen Gymi-Vorbereitungskurs: Wenn die Schülerinnen und Schüler im August zu mir kommen und ich sie im März verabschiede, sehe ich immer wieder unglaubliche Sprünge in ihrer Entwicklung. Das ist so toll! Und dabei gebe ich ihnen als Lehrerin lediglich ein Sicherheitsnetz – das Können kommt aber von den Kindern selbst.

AMa: Wo liegen die Herausforderungen in deiner Arbeit?

RB: Persönlich sehe ich, dass auf den Jugendlichen eine grosse Erwartungshaltung von Aussen lastet. Das bewirkt, dass die Kinder auch sich selbst Druck machen und dann an sich zu zweifeln beginnen. Das alles blockiert sie im Lernen. Ein Teufelskreis. Das Fremd- und Selbstbild der Kinder klafft dann auseinander. Ich versuche den Kindern diesen Druck abzunehmen und wieder Freude am Lernen zu vermitteln. Wenn sich dann der Knopf löst, kann ich ihnen mit Stolz sagen: «Siehst du, du kannst es!». Eine gesunde Fehler-Kultur ist mir ebenso wichtig. Aus Fehlern lernt man. Wenn man weiss wo die Lücke ist, kann man sie füllen. Damit habe ich gute Erfahrungen gesammelt.

AMa: Wenn du die Schülerinnen und Schüler wieder verabschiedest. Was gibst du ihnen mit, damit sie sich diese Freude am Lernen bewahren?

RB: Mir ist sehr wichtig, dass die Jugendlichen Eigenverantwortung und Selbstständigkeit entwickeln. Wenn sie zum Beispiel merken, dass sie Unterstützung benötigen, dass sie sich diese holen. Das kann natürlich Nachhilfe sein, aber genauso, dass sie einen Duden oder ein Wörterbuch zu Hilfe nehmen.

AMa: Was gefällt dir selbst am Lernstudio?

RB: Mir gefällt vor allem die Klassengrösse. So kann ich sehr gut auf die einzelnen Schülerinnen und Schüler eingehen. Starke Lernende kann ich gezielt fordern und eher schwache Lernende in der Basis fördern. Das ist in einer Klasse mit über 25 Kindern einfach nicht möglich. In der Nachhilfe schätze ich ausserdem den engen Kontakt mit den Eltern. Weiter gefällt mir der Austausch im Team und der Kontakt zu den Schulleitungen, die mich in meiner Arbeit unterstützen. Das ist Gold Wert.

AMa: Was wünschst du dir für die Zukunft?

RB: Ein Herzenswunsch von mir wäre, dass man den Erfolg nicht über die Lernfreude der Kinder stellt. Etwas weniger Leistungsorientierung täte uns allen in unserer Gesellschaft gut. Dass schon 12-Jährige über ihre gesamte Zukunft entscheiden müssen, finde ich schwierig. Natürlich ist es unangenehm, wenn man zum Beispiel die Gymiprüfung nicht bestanden hat. Wir haben aber in der Schweiz so ein Glück mit unserem dualen Bildungssystem – um das wir auch im Ausland beneidet werden, dass man sich nicht verrückt machen muss. Das Tor ist nicht verschlossen, solange man immer sein Bestes gibt. Es gibt ein tolles Zitat von Seneca, das mir sehr wichtig ist in diesem Zusammenhang: «Non scholae, sed vitae discimus» also «Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir».

AMa: Zum Schluss noch – gibt es ein unvergessliches Ereignis, das du im Lernstudio erlebt hast und teilen möchtest?

RB: Vor einiger Zeit hatte ich eine junge Schülerin in der Nachhilfe. Sie hatte grosse Schwierigkeiten in der Mathematik. Problematisch war, dass sie sich selbst viel Druck gemacht hatte. Weil sie beispielsweise «als Mädchen in Mathe sowieso schlecht ist». Andererseits, dass sie nach einer ungenügenden Prüfung immer wieder mit den Eltern zusammen büffeln musste, wieder eine schlechte Note erhielt, wieder büffeln musste usw. Zusammen haben wir diese Schwierigkeiten überwunden. Als sie eines Tages ganz aufgelöst zu mir kam, war dies nicht wegen eines erneuten Misserfolges, sondern weil sie zum ersten Mal eine 6 – also Bestnote – in einer Matheprüfung erreicht hatte. Das hat uns beide stolz gemacht und darum liebe ich meinen Beruf so sehr.

Dieses Interview ist Teil der Newsletter-Serie «Was macht eigentlich..?». Haben Sie beispielsweise schon Daniela Rohrer, Fachverantwortliche Schulergänzende Betreuung, oder David Tassi, Schulleitung des Lernstudios Stüssistrasse, kennengelernt? Regelmässig stellen wir Ihnen unsere erfahrenen Bildungsexperten aus dem Lernstudio vor – melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an.