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Programmieren lernen schon in der Schule

Lernstudio Winterthur wagt Versuch

Programmierunterricht im Lernstudio Winterthur

Kinder und Jugendliche lieben sie – lebendige Maschinen und Roboter aus Filmen wie Transformers, Iron Man oder Wall-E. In unserer modernen Welt sind diese intelligenten, interagierenden Automaten längst wahrgewordene Realität. Gerade die schnelle Auffassungsgabe von Jugendlichen im Umgang mit Computern lässt viele Erwachsene staunen. Digital bestens ausgestatte Klassenzimmer sind denn auch seit Jahren kein ungewohntes Bild mehr.

Neben den Fragen nach dem richtigen Umgang mit den digitalen Medien, zu dessen Konsum oder zum Schutz persönlicher und sensibler Daten, stellen sich Jugendlichen jedoch noch weitere digitale Herausforderungen.

Gemeint sind Informations- und Kommunikationstechnologien. Bisher wurden gute ICT-Kompetenzen und die Fähigkeit, Programmiersprachen zu verstehen und zu benutzen eher unterschätzt. Für die künftige Arbeitsmarktfähigkeit der Jugendlichen werden diese Kompetenzen jedoch immer wichtiger.

Schon jetzt zeigt sich auf dem Arbeitsmarkt ein akuter Fachkräftemangel. Mehreren Studien des Verbandes ICT Berufsbildung Schweiz zeigen, dass der Bedarf an gut geschulten und fähigen ICT-Spezialisten aktuell nicht gedeckt werden kann.

Das hat auch das Lernstudio Winterthur erkannt. In einer gemeinsamen Partnerschaft mit dem Ausbildungs- und Beratungszentrum für Informatikunterricht der ETH Zürich (ABZ), unter der Leitung von Prof. Juraj Hromkovič, hat die renommierte Privatschule während eines Semesters die digitale Transformation ins Klassenzimmer geholt.

Während dieses Pilotprojektes erhielt die Sekundarklasse A, mit Jugendlichen im Alter von 11 bis 13 Jahren, die Gelegenheit eine einfache Programmiersprache spielerisch kennenzulernen. Diese heisst LOGO, wurde bereits 1967 entworfen und fand in den 1980er Jahren, als die Heimcomputer aufkamen, ihre grösste Verbreitung. Der Name «LOGO» stammt aus einer Herleitung des griechischen Begriffs «logos», was «Wort» oder «Gedanke» bedeutet.

LOGO ist eine Programmiersprache, die speziell für Anfängerkurse entwickelt wurde. In fachdidaktischer Hinsicht ist LOGO konkurrenzlos. Sie führt zu einem effizienten Wissenstransfer, den man schwer mit einer anderen Programmiersprache erreichen kann. In LOGO können in einer einfachen Umgebung schon in 10 Minuten die ersten Programme geschrieben werden. Durch die schrittweise Ausführung von Programmen ist die Fehlersuche vereinfacht und die Kinder können ihre Programme selbst auf Korrektheit testen, Fehler finden und korrigieren.

So schaffen es bereits zehnjährige Kinder, komplexe Aufgaben systematisch in mehreren kleinen Schritten zu lösen. Spielerisch, ohne es zu merken, lernen die Kinder wichtige Programmierkonzepte. Der direkte Lernerfolg wirkt motivierend und dank der Möglichkeiten, kreativ zu zeichnen, ist LOGO auch bei Mädchen sehr beliebt. Zusätzlich wird mit speziell entwickelten Unterlagen die Gender-Problematik vollständig vermieden. LOGO fördert die kognitiven und analytischen Fähigkeiten der Kinder und unterstützt damit auch den Mathematikunterricht.

Nach den vielen positiven Rückmeldungen wird dieser erstmals durchgeführte Programmierunterricht 2018 im Lernstudio Winterthur weitergeführt. Auch das Lernstudio Stüssistrasse in Zürich zieht nach und bietet in einem weiteren Pilotprojekt als Pflichtwahlfach das ECDL-Modul «Computing» an. Dort wird ebenfalls das Informatische Denken geschult, mit dem Ziel eigene (einfache) Computerprogramme zu erstellen.

Fotos: Biho Song