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Irina Job über den Lehrplan 21

Was macht eigentlich..?

Etwa 150 Mitarbeitende des Lernstudios tragen mit ihrem Einsatz täglich dazu bei, dass Schülerinnen und Schüler ihr Lernpotential voll entfalten können. Irina Job hat im August 2018 ihre Arbeit als Fachlehrerin für Deutsch, Englisch sowie als Klassenlehrperson der Klasse Sek A1/Progymnasium 1 an der Tagesschule Stüssistrasse angetreten. Bevor Sie zum Lernstudio gekommen ist, hat sie ihr Lehrdiplom abgeschlossen und war dann drei Monate in den USA um ihr Englisch zu perfektionieren. In ihrem Studium wurde Irina Job vollumfänglich auf das Unterrichten nach dem Lehrplan 21 vorbereitet. Wieso sie keine Bedenken wegen des Lehrplan 21 hat, verrät sie uns im Interview.

Astrid Marquardt (AMa): Irina, du hast – quasi frisch ab der Presse – deine Arbeit als Fachlehrerin und Klassenlehrerin beim Lernstudio Stüssistrasse angetreten. Wie bist du zum Lehrberuf gekommen?

Irina Job (IJ): Ich habe schon früh gewusst, dass ich mit Jugendlichen arbeiten möchte. Richtig überzeugt hat mich das erste Praktikum zu Beginn des Studiums. Da wusste ich: Das will ich machen, ich fühle mich wohl.

AMa: Stand denn noch ein anderer Berufswunsch zur Auswahl?

IJ: Tatsächlich habe ich mich auch für das Studium zur Gymi-Lehrerin interessiert. Es war aber logisch für mich, dass ich zuerst einmal Erfahrung auf der Sek-1-Stufe sammeln möchte und mich später weiterbilde.

AMa: Dann hast du mit dem Lernstudio eine ganz gute Ausgangslage getroffen, oder?

IJ: Das stimmt. Da viele der Schülerinnen und Schüler am Lernstudio sich auf das Gymi vorbereiten, stehe ich dem Thema sehr nah.

AMa: An deinem leichten Akzent höre ich, du bist keine Zürcherin. Erzähl mir doch, woher kommst du?

IJ: (lacht) Richtig, ich komme aus Graubünden und im Prinzip ist Deutsch auch nicht meine Muttersprache. Das habe ich als Kind neben dem Rätoromanischen erst in der vierten Klasse gelernt. Studiert habe ich in Fribourg die drei Fächer Deutsch, Englisch und Geschichte und dann als Master wie gesagt noch die Lehrausbildung. Danach bin ich in die USA um mein Englisch zu vertiefen und habe diese drei Monate auch sehr genossen.

AMa: Wow! Aber daran erkennt man dein Sprachtalent. Graubünden sagst du, kannst du Unterschiede erkennen gegenüber dem Schulalltag hier in der Stadt Zürich?

IJ: Ich muss gestehen, dass ich schon ein paar Vorurteile gegenüber der Stadt im Gegensatz zum Land hatte. Meine Vorstellung war, dass Kinder nur auf dem Land wirklich behütet aufwachsen können. Das hat sich aber überhaupt nicht bestätigt. Die Schülerinnen und Schüler hier am Lernstudio sind sehr freundlich und respektvoll. Auch ist das Lernstudio, entgegen verschiedenen Vorurteilen, keine Schule nur für Privilegierte. Exklusiv ist allerdings, dass man in den kleinen Klassen die Jugendlichen individueller betreuen kann – wie ich finde ein schöner Luxus.

AMa: Was ist dir wichtig beim Unterrichten?

IJ: Tatsächlich ist mir der Respekt sehr wichtig. Sei das gegenüber mir oder aber auch untereinander, gegenüber dem Material in der Schule oder hier in der Nachbarschaft im Quartier. Neben respektvollem Umgang sind mir ein möglichst selbstständiges Arbeiten und Hilfsbereitschaft untereinander sehr wichtig. Mit Gruppenarbeiten oder dem eigenständigen Korrigieren versuche ich diese Kompetenzen zu stärken.

AMa: Irina, so frisch nach dem Studium hast du sicherlich viel Theorie noch sehr präsent und – du hast es gerade erwähnt – das Stärken von Kompetenzen ist dir wichtig. Das kompetenzorientierte Unterrichten ist nur eine von mehreren Veränderungen, die mit der Einführung des Lehrplan 21, den Schulalltag verändern werden. Wie sehr wirst du vom Lehrplan 21 beeinflusst?

IJ: Für mich bedeutet der Lehrplan 21 keine Veränderung. Mein Studium war vollumfänglich auf den neuen Lehrplan ausgerichtet und ich könnte im Gegenteil dazu keine Auskunft dazu geben, wie es vorher gewesen sein soll. Für mich verändern sich lediglich die Lehrmittel und die Stundenaufteilung. Mein Unterricht ist sehr kompetenzorientiert aufgebaut.

AMa: Und was bedeutet das – wie sieht das in der Praxis aus?

IJ: Meine Lernenden sollen nicht blind auswendig lernen, sondern Techniken im richtigen Moment zu ihrem Vorteil anwenden können. Das heisst aber auch, dass man sich nicht immer auf Prüfungen vorbereiten kann. Bei Vokabeln und Grammatik funktioniert das zwar – nicht aber beim Hör- und Leseverständnis.

AMa: Wie gehen die Schülerinnen und Schüler damit um?

IJ: Das ist ganz interessant. Vor allem die Fleissbewussten tun sich eher schwer damit. Gerade weil sie sich nicht gezielt nur aufs Auswendiglernen verlassen können, sondern sich die Fähigkeiten erst durch regelmässiges Üben aneignen. Diese Schülerinnen und Schüler sind manchmal enttäuscht, wenn sie statt einem 6-er beispielweise «nur» einen 5-er schreiben. Sie müssen also fokussiert im Unterricht mitarbeiten um diese Kompetenzen zu entwickeln.

AMa: Das heisst, dass jene Schülerinnen und Schüler durchaus einmal eine bessere Note schreiben, die sich mit dem Fleiss sonst eher schwer tun?

IJ: Durchaus. Wir als Lehrpersonen müssen da auch ein entsprechendes Beurteilungsverständnis zeigen. So sollte es aber auch sein. Wir beurteilen schliesslich auch die Entwicklung unserer Lernenden und nicht allein deren Noten.

AMa: Was geniesst du am Meisten an deiner Arbeit als Lehrerin im Lernstudio?

IJ: Ich freue mich immer total, dass wenn mich die Schülerinnen und Schüler in der Freizeit zufällig treffen, sie sich darüber freuen, mir zuwinken oder mich grüssen. Aber auch die kleinen Klassen beim Lernstudio ermöglichen es mir, einzelne Lernende gezielter zu fördern. Dass ich die Jugendlichen vom Lernstoff auch fordern kann, gerade in der Progymnasium-Klasse, und sie sehr schnell Fortschritte sehen, macht mir besonders Spass. In meiner Unterrichtsgestaltung bin ich sehr frei, das ist ein weiterer Vorteil. Hinzu kommt das tolle, hilfsbereite Team, mit dem ich mich jederzeit austauschen kann. Ich fühle mich sehr wohl beim Lernstudio!

AMa: Irina, vielen Dank für das Interview mit dir.

Dieses Interview ist Teil der Newsletter-Serie «Was macht eigentlich..?». Haben Sie beispielsweise schon Stephan Mernberger, Fachlehrer der Tagesschule Winterthur; Rita Brunetti, Fachlehrerin aus dem Kurs- und Nachhilfebereich; Daniela Rohrer, Fachverantwortliche Schulergänzende Betreuung oder David Tassi, Schulleitung des Lernstudios Stüssistrasse, kennengelernt? Regelmässig stellen wir Ihnen unsere erfahrenen Bildungsexperten aus dem Lernstudio vor – melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an.